Manuelle Therapie, Mobilisationen oder doch lieber Übungen und Krafttraining?
In der Physiotherapie gibt es viele unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten. Dabei begegnet uns immer wieder die Frage:
Was ist eigentlich besser – passive oder aktive Therapie?
Auf diese Frage gibt es pauschal keine richtige Antwort. Beide Therapieformen können sinnvoll sein und haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist, welches Ziel verfolgt wird und wo die Patientin oder der Patient gerade in der Behandlung stehen.
Was bedeutet passive Therapie?
Bei einer passiven Behandlung übernimmt zunächst der Therapeut oder die Therapeutin einen großen Teil der Arbeit. Dazu gehören in unserer Praxis beispielsweise:
• manuelle Techniken
• Wärme- oder Kälteanwendungen
• Mobilisationen
• bestimmte Weichteiltechniken
Der Patient oder die Patientin muss dabei selbst vergleichsweise wenig aktiv sein.
Passive Maßnahmen können vor allem dann hilfreich sein, wenn Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen eine aktive Therapie zunächst erschweren. Eine Behandlung kann beispielsweise dabei helfen Beschwerden kurzfristig zu lindern oder eine Bewegung wieder angenehmer zu machen.
Die Vorteile passiver Therapie
Ein großer Vorteil ist die häufig Schmerzlinderung. Wenn eine Bewegung aufgrund von Schmerzen kaum möglich ist, kann eine passive Maßnahme zunächst Erleichterung schaffen.
Außerdem kann die Behandlung Vertrauen geben. Gerade Menschen, die sich aufgrund ihrer Beschwerden unsicher bewegen, profitieren manchmal davon, wenn eine Therapeutin oder ein Therapeut sie zunächst durch eine Bewegung führt und ihnen zeigt, dass diese grundsätzlich möglich ist.
Passive Maßnahmen sind somit auch ein großer Baustein unserer Praxis.
Wo liegen die Grenzen?
So angenehm eine manuelle Behandlung auch sein kann: Sie verändert nicht automatisch die Belastbarkeit des Körpers.
Hierbei ist unser Blogbeitrag zum Thema Gewebeadaptation sehr zu empfehlen:Gewebeadaptation – eines der wichtigsten Prinzipien für die Therapie – Recovery Base
Es steht außer Frage, dass auch eine passive Behandlung eine Adaption, also eine Anpassung des Körpers an den Reiz zur Folge haben kann. Die Frage ist vielmehr welchen Reiz der jeweilige Patient oder die jeweilige Patientin benötigt und ob der Reiz der passiven Behandlung ausreicht, um einen dauerhaften Therapieerfolg herbeizuführen.
Wenn beispielsweise die Kraft fehlt, eine bestimmte Bewegung auszuführen, reicht es langfristig meist nicht aus, immer wieder die entsprechenden Gelenke manuell zu behandeln. In diesem Beispiel ist die Anpassung, die der Körper durch die Therapie vornehmen soll eher durch einen Trainingsreiz auszulösen.
Was bedeutet aktive Therapie?
Bei der aktiven Therapie wird die Patientin oder der Patient selbst zum wichtigsten Teil der Behandlung.
Dazu gehören beispielsweise:
-Krafttraining
-Mobilisationsübungen
-Ausdauertraining
-Übungen zur Verbesserung der Körperwahrnehmung
-sportartspezifisches Training
-das schrittweise Heranführen oder Wiedererlangen von alltäglichen oder sportlichen Belastungen
Das Ziel ist nicht nur, dass eine Bewegung während der Behandlung besser funktioniert. Es geht darum, den Körper an den Trainingsreiz anpassen zu lassen und dem Körper mehr Bewegungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Die Vorteile aktiver Therapie
Ein entscheidender Vorteil: Der Patient lernt, selbst Einfluss auf seine Beschwerden und seine körperliche Leistungsfähigkeit zu nehmen.
Muskeln können stärker werden, Bewegungen können sicherer und koordinierter werden und die Belastbarkeit kann sich schrittweise verbessern.
Gerade nach Verletzungen oder längeren Schmerzphasen spielt auch das Vertrauen in den eigenen Körper eine wichtige Rolle. Wer erlebt, dass bestimmte Bewegungen wieder möglich sind, gewinnt häufig zunehmend Sicherheit zurück.
Aktive Therapie bedeutet deshalb nicht nur „ein paar Übungen machen“.
Sie bedeutet, den eigenen Körper kennenzulernen, zu fordern und ihm zu vertrauen.
Auch aktive Therapie hat ihre Herausforderungen. Übungen können anstrengend sein und manchmal vorübergehend Beschwerden auslösen. Dies wird in der Praxis gemeinsam mit dem Patienten besprochen und Übungen werden gegebenenfalls angepasst.
Fortschritte entstehen häufig nicht nach einer einzigen Behandlung, sondern durch kontinuierliche Belastung und Anpassung.
Außerdem braucht es Eigeninitiative und regelmäßiges Training.
Das kann gerade dann schwierig sein, wenn der Alltag ohnehin stressig ist.
Deshalb sollte ein Trainingsprogramm immer zur jeweiligen Person passen. Hierbei stehen wir ihnen in der Praxis zu jedem Zeitpunkt zur Seite und versuchen die Übungen auf ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen.
Aktiv oder passiv – was ist nun besser?
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Passive Therapie kann sinnvoll sein, wenn die aktive Therapie noch zu viel Belastung für den Körper oder die Psyche darstellt. Umgekehrt kann die aktive Therapie angewandt werden, wenn der Reiz der passiven Therapie nicht mehr ausreicht.
Fazit
Das Ziel unserer Physiotherapie ist es, dass Patienten langfristig beschwerdefrei werden und auch bleiben. Dafür braucht es meist eine Anpassung des Körpers, sei es nun durch einen passiven Reiz für das Gewebe oder durch Training.
Das kann in der Praxis bedeuten, zu lernen, welche Bewegungen gut tun, wie Belastung gesteigert werden kann und was der eigene Körper braucht, um sich langfristig wohl zu fühlen. Dies kann für jeden Patienten individuell etwas anderes bedeuten und ist sehr individuell zu betrachten.
Passive und aktive Therapie sind also keine Gegenspieler. Im besten Fall ergänzen sie sich.

